Ist mein Dach für Photovoltaik geeignet?

Die Himmelsrichtung ist nicht die wichtigste Frage. Zuerst zählt die Verschattung, dann Ausrichtung und belegbare Fläche, dann der Zustand der Dachhaut, zuletzt Statik, Zählerschrank und Ortsbaurecht. Ein Süddach mit Schattenwurf über die Mittagsstunden schneidet schlechter ab als ein ungestörtes Ost-West-Dach. Sicher beurteilen lässt sich das erst bei Ihnen vor Ort, aber die meisten Punkte können Sie vorher selbst durchgehen.

  • Süden 100 %
  • Südost bis Südwest 94 %
  • Flachdach, aufgeständert 94 %
  • Ost und West 79 %
  • Norden 52 %
Ertrag nach Dachausrichtung bei 35 Grad Neigung, bezogen auf Süden gleich 100 Prozent. Grundlage: PVGIS 5.2 (SARAH2 2005–2020), Standort Stuttgart.

Zuerst die Verschattung, dann die Himmelsrichtung

Die meisten Hausbesitzer prüfen als Erstes, ob das Dach nach Süden zeigt. Das ist die falsche Reihenfolge. Eine ungünstige Himmelsrichtung kostet einen Anteil des Ertrags, den man vorher ausrechnen kann. Verschattung kostet mehr, und sie kostet unberechenbar.

Der Grund liegt in der Verschaltung. Module einer Reihe hängen elektrisch zusammen. Fällt der Schatten eines Kamins auf ein einzelnes Modul, zieht dieses Modul die ganze Reihe nach unten. Leistungsoptimierer und eine getrennte Verschaltung begrenzen den Verlust auf das betroffene Modul. Weg ist der Schatten damit nicht, und die Stunden darunter bleiben verloren.

Entscheidend ist, wann der Schatten fällt. Ein Baum im Osten nimmt Ihnen Morgenstunden, die wenig beitragen. Ein Nachbargiebel im Süden trifft die Mittagsstunden, also den Teil des Tages, in dem der größte Teil des Jahresertrags entsteht. Zwei Dächer mit gleich viel Schattenfläche können deshalb sehr unterschiedlich abschneiden.

Dazu kommt der Jahreslauf. Im Dezember steht die Sonne deutlich tiefer als im Juni, und Hindernisse, die im Sommer neben der Dachfläche bleiben, wandern dann darüber. Was im Juli frei liegt, sagt wenig über den Winter. Deshalb wird Verschattung vor Ort und über den Tages- wie Jahresverlauf beurteilt. Ein Luftbild reicht dafür nicht.

Ausrichtung und Neigung in Zahlen

Unser Photovoltaik-Rechner arbeitet mit einem spezifischen Jahresertrag von 1.030 kWh je kWp für Baden-Württemberg, hinterlegt mit einer Spanne von 950 bis 1.120 kWh. Das ist ein regionaler Erfahrungswert, keine Standortberechnung, und genau so steht es auch im Annahmenblock des Rechners. Der Wert gilt für eine günstige Neigung bei Südausrichtung. Alle anderen Ausrichtungen setzt der Rechner dazu ins Verhältnis, so wie es die Abbildung oben zeigt.

Zwei Dinge fallen daran auf. Erstens ist ein Ost-West-Dach kein Notfall. Es verliert rund ein Fünftel gegenüber Süden, hat dafür aber zwei belegbare Flächen. Bei gleichem Grundriss passt dort oft mehr Leistung aufs Dach, und das gleicht einen Teil des Faktors wieder aus.

Zweitens ist die reine Nordfläche der Punkt, an dem wir abraten: Bei 35 Grad Neigung bleiben rund 52 Prozent des Südertrags, bei 45 Grad nur noch 44. Strom erzeugt die Anlage dort auch, nur kostet jede Kilowattstunde davon so viel, dass die Rechnung in aller Regel nicht mehr aufgeht. Ausnahmen kommen vor, sie sind aber selten. Wenn allein die Nordseite Fläche bietet, sagen wir das vor dem Angebot.

Für die Neigung führt unsere Datenbasis bewusst keinen eigenen Faktor. Eine Neigungskorrektur auf zwei Nachkommastellen würde eine Standortberechnung vortäuschen, die erst mit ortsscharfen Ertragsdaten möglich ist. Ihre tatsächliche Neigung geht deshalb in die Ertragsprognose zum Angebot ein. Ausnahme ist das Flachdach: Dort stellt die Aufständerung die Neigung her, und der Abzug auf 94 Prozent enthält die Reihenabstände bereits.

Bei der Fläche rechnet der Rechner mit 70 Prozent der Dachfläche als belegbar, der Rest geht für Abstände, Gauben und Kamine ab. Bei rund 210 Wattpeak je Quadratmeter Modulfläche ergeben 100 Quadratmeter Dachfläche also etwa 14,7 kWp. Das ist eine Obergrenze aus der Geometrie, keine Empfehlung: Wie groß die Anlage sinnvollerweise wird, entscheidet Ihr Verbrauch.

Der Zustand der Dachhaut

Eine Photovoltaikanlage bleibt zwei Jahrzehnte oben, die Module sind auf länger ausgelegt. Die Dachhaut darunter muss diesen Zeitraum ebenfalls überstehen, sonst wird aus einer Investition zwei.

Die erste Frage beim Termin gilt deshalb der Eindeckung. Steht in den nächsten Jahren eine Sanierung an, ist die Reihenfolge eindeutig: erst das Dach, dann die Anlage. Eine montierte Anlage abzunehmen, zwischenzulagern und wieder aufzusetzen, ist ein eigener Auftrag mit eigenem Gerüst und eigener Abnahme, und dieser Aufwand steht in keinem Verhältnis zu den paar Jahren, die das Vorziehen bringt.

Drei Fragen helfen Ihnen bei der Einschätzung: Wie alt ist die Eindeckung, gab es undichte Stellen, und wurde die Unterspannbahn schon einmal erneuert? Wer darauf keine Antwort hat, sollte einen Dachdecker vor den Solarplaner setzen. Ein Alter allein ist übrigens kein Ausschluss. Eine intakte, dichte Eindeckung trägt eine Anlage auch dann, wenn sie schon einige Jahrzehnte liegt.

Trägt das Dach die Anlage, und passt die Eindeckung?

Ein Aufdachsystem bringt zusätzliche Last auf den Dachstuhl: Module, Schienen und Befestigung, dazu Wind- und Schneelasten, die an der aufgeständerten Fläche anders angreifen als an der blanken Ziegelfläche. Bei einem intakten Sparrendach eines Wohnhauses ist das selten der Knackpunkt. Genauer hinsehen muss man bei knapp bemessenen Sparren, bei nachträglich veränderten Dachstühlen und überall dort, wo niemand mehr weiß, welche Reserven die ursprüngliche Berechnung hatte. In solchen Fällen gehört ein Statiker an die Frage.

Die Eindeckung entscheidet über die Befestigung und damit über einen Teil des Preises. Auf Ziegel- und Betonsteindächern werden Dachhaken unter der Eindeckung mit dem Sparren verschraubt. Einzelne Ziegel müssen dafür angepasst oder ersetzt werden. Fragen Sie im Angebot nach, ob Ersatzziegel eingeplant sind, gerade bei älteren Formaten, die es so nicht mehr gibt. Schiefer und Biberschwanz sind aufwendiger, weil mehr Einzelteile bewegt werden. Faserzement-Wellplatten älterer Bauart werfen zuerst die Asbestfrage auf. Bitumen- und Foliendächer brauchen ein System, das ohne Durchdringung auskommt oder die Abdichtung sauber wieder herstellt.

Muss der Zählerschrank getauscht werden?

Der Posten, der Angebote am häufigsten verschiebt, liegt im Hausanschlussraum. Bevor der Netzbetreiber die Anlage in Betrieb nehmen lässt, muss der Zählerplatz seinen technischen Anschlussbedingungen genügen: Platz für den Zweirichtungszähler, ein normgerechtes Zählerfeld, Reserve für spätere Anwendungen wie Wallbox oder Wärmepumpe. Genügt er nicht, wird er getauscht. Das ist eine Bedingung des Netzbetreibers und keine Erfindung des Anbieters.

Sie können den Verdacht selbst prüfen, ohne etwas zu öffnen: ein Zähler mit Drehscheibe, Schraubsicherungen statt Sicherungsautomaten, kein freier Platz neben dem Zähler. Machen Sie ein Foto des Zählerplatzes und legen Sie es dem Beratungstermin bei. Dann steht die Position im ersten Angebot, und Sie vergleichen Angebote, die dieselbe Leistung enthalten.

Brauche ich eine Genehmigung für die Solaranlage?

Eine Baugenehmigung braucht eine Aufdachanlage auf einem Wohnhaus in Baden-Württemberg im Normalfall nicht. Das heißt nicht, dass nichts zu klären wäre.

Bei Kulturdenkmalen und in geschützten Gesamtanlagen braucht die Anlage die Zustimmung der Denkmalschutzbehörde. Ein Denkmal schließt Photovoltaik nicht automatisch aus, aber die Entscheidung liegt dann nicht mehr bei Ihnen und beim Planer, und sie braucht Zeit. Diese Frage gehört vor die Planung.

Daneben können Gestaltungs- und Erhaltungssatzungen oder ein Bebauungsplan Vorgaben zu Farbe, Anordnung oder Sichtbarkeit vom Straßenraum machen. Das ist kommunales Recht und unterscheidet sich von Ort zu Ort, teils von Straßenzug zu Straßenzug. Bei Doppel- und Reihenhäusern kommt die Gebäudetrennung dazu. Wie nah Module und Leitungen an die Brandwand heranreichen dürfen, richtet sich nach dem Landesbaurecht. Das kann die belegbare Fläche am Rand beschneiden.

Geklärt wird das vor dem Angebot. Eine Anlage, die nach der Montage zurückgebaut werden muss, ist der teuerste denkbare Ausgang dieser Frage.

Was passiert beim Termin vor Ort?

Den Termin machen wir bei Ihnen vor Ort, für den ersten Blick auf Wunsch auch per Video. In Stuttgart sitzt unser Büro, und dort lässt sich kein Dach beurteilen. Angesehen werden Eindeckung und ihr Zustand, die Sparrenlage, die Verschattung im Tages- und Jahresverlauf, der Kabelweg vom Dach zum Wechselrichter, der Zählerplatz und ein möglicher Aufstellort für einen Speicher. Die Montage führen danach Meisterbetriebe aus, die in unserem Auftrag arbeiten. Ihr Vertragspartner bleiben wir: ein Vertrag, eine Rechnung, ein Ansprechpartner für die Gewährleistung.

In drei Fällen endet dieser Termin meist ohne Angebot. Bei starker, dauerhafter Verschattung, weil die Rechnung dann auch mit Optimierern nicht aufgeht. Bei einer reinen Nordfläche als einziger Option, weil rund die Hälfte des Südertrags die Investition selten trägt. Und bei einer Eindeckung, die ohnehin bald erneuert werden muss, weil hier ein Aufschub und kein Verzicht sinnvoll ist. In allen drei Fällen ist eine Absage vor dem Angebot billiger als eine Anlage, die sich nicht rechnet oder später wieder herunter muss.

Eine Größenordnung können Sie sich vorher selbst verschaffen. Der Photovoltaik-Rechner nimmt Dachfläche, Ausrichtung und Verbrauch entgegen und zeigt Ertrag, Eigenverbrauch, Investitionsspanne und Amortisation. Jede Annahme dahinter ist im Ergebnis aufklappbar hinterlegt, samt Herkunft und Stand.

Diese Rechnung für Ihr Dach durchspielen

Was wird uns dazu noch gefragt?

Wie stark darf mein Dach verschattet sein?

Eine Prozentgrenze gibt es nicht, weil der Zeitpunkt zählt und nicht die Fläche. Schatten am frühen Morgen kostet wenig, Schatten um die Mittagsstunden kostet viel, weil dort der größte Teil des Tagesertrags anfällt. Maßgeblich ist außerdem der Winter: Die Sonne steht tiefer, und ein Baum, der im Juni nichts ausmacht, deckt im Dezember ganze Reihen ab. Verdeckt ein Hindernis über Stunden mehrere Modulreihen, raten wir ab.

Spielt die Dachneigung eine große Rolle?

Weniger als die Ausrichtung und deutlich weniger als die Verschattung. Unser Rechner führt für die Neigung bewusst keinen eigenen Faktor: Der hinterlegte Ertrag von 1.030 kWh je kWp gilt bereits für eine günstige Neigung bei Südausrichtung, und eine Feinrechnung ohne standortscharfe Daten würde Genauigkeit vortäuschen. Ihre tatsächliche Neigung geht in die Ertragsprognose zum Angebot ein. Flachdächer sind der Sonderfall, weil dort die Aufständerung die Neigung herstellt. Hinterlegt sind 94 Prozent des Südertrags.

Muss das Dach vor der Montage saniert werden?

Nur wenn die Eindeckung ohnehin in den nächsten Jahren an ihr Ende kommt. Dann ist die Reihenfolge eindeutig: erst das Dach, dann die Anlage. Eine montierte Anlage abzunehmen und nach der Sanierung wieder aufzusetzen, ist ein zweiter Auftrag mit eigenem Gerüst und eigener Abnahme. Ist die Eindeckung intakt und dicht, spricht ihr Alter allein nicht gegen die Montage. Im Zweifel lassen Sie einen Dachdecker draufschauen, bevor Sie Angebote einholen.

Welche Dacheindeckungen machen Probleme?

Ziegel und Betondachsteine sind der Normalfall. Dort werden Dachhaken unter der Eindeckung mit dem Sparren verschraubt. Aufwendiger wird es bei Schiefer und Biberschwanz, weil mehr Einzelteile angepasst werden müssen, und bei sprödem altem Material, das beim Betreten bricht. Bei Faserzement-Wellplatten älterer Bauart steht zuerst die Asbestfrage im Raum, und die klärt ein Fachbetrieb, bevor jemand ein Modul plant. Bitumen- und Foliendächer sind machbar, brauchen aber ein anderes Montagesystem.

Woran erkenne ich, dass der Zählerschrank ein Thema wird?

Grobe Anhaltspunkte sehen Sie selbst, ohne etwas zu öffnen: ein Zähler mit Drehscheibe, alte Schraubsicherungen, kein freier Platz neben dem Zähler. Ob der Zählerplatz wirklich getauscht werden muss, entscheiden die technischen Anschlussbedingungen Ihres Netzbetreibers. Fotografieren Sie den Zählerplatz vor dem Beratungstermin. Dann steht die Position im ersten Angebot und nicht in der Schlussrechnung.

Wie fällt die Rechnung für Ihr Dach aus?

Der Artikel beantwortet die Frage allgemein. Für Ihr Haus hängt sie an Dachfläche, Ausrichtung, Verbrauch und Netzbetreiber.

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  • Alle Annahmen der Rechnung liegen offen
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Schritt 1 von 8 Interesse

Was möchten Sie für Ihr Gebäude prüfen?

Mehrfachauswahl möglich, Sie legen sich damit auf nichts fest.

Um welches Gebäude geht es?
Wie ist Ihr Dach ausgerichtet?

Wenn Sie es nicht wissen, ist das kein Problem. Wir klären das bei der Dachprüfung.

Wie hoch ist Ihr Stromverbrauch im Jahr?

Die Zahl steht auf Ihrer letzten Stromrechnung. Eine Schätzung genügt uns.

Sind Sie Eigentümer der Immobilie?

Für die Anlage brauchen wir am Ende die Zustimmung des Eigentümers.

Wann möchten Sie starten?

Eine realistische Einschätzung hilft uns bei der Terminplanung. Sie ist nicht bindend.

Wo steht das Gebäude?

Die Postleitzahl brauchen wir, um regionale Förderprogramme und den zuständigen Netzbetreiber zu prüfen.

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